Bachelor of Arts oder Science: Wann der Grad wirklich zählt
Gleiches Fach, gleiche Hochschule, gleicher Preis – und trotzdem steht auf der einen Urkunde Bachelor of Arts und auf der anderen Bachelor of Science. Wer zwischen zwei Programmen wählen muss, liest diese Buchstabenpaare als Qualitätsunterschied. Das sind sie nicht.
Wir haben den Bestand privater Hochschulen ausgewertet: 941 Bachelorstudiengänge tragen B.A. oder B.Sc., dazu kommen 90 Bachelor of Engineering, 14 Bachelor of Laws, fünf Bachelor of Fine Arts und drei Bachelor of Music. In 26 Fächern existieren beide Grade nebeneinander, manchmal an derselben Hochschule. Dieser Artikel zeigt, woher der Unterschied kommt und wann er zählt.
- Was ist der Unterschied zwischen Bachelor of Arts und Bachelor of Science?
- 26 Fächer an privaten Hochschulen tragen beide Grade
- Zwei Fälle, in denen der Grad nichts verrät
- Architektur: drei Grade – und keiner sagt etwas über den Beruf
- Wann der Unterschied doch zählt
- Vier Prüfschritte, die mehr aussagen als der Grad
- Für wen B.A. passt, für wen B.Sc. – und wann die Frage egal ist
- Häufige Fragen zu Bachelor of Arts und Bachelor of Science
- Kommentare
Was ist der Unterschied zwischen Bachelor of Arts und Bachelor of Science?
Der Unterschied liegt in der inhaltlichen Ausrichtung des Studiengangs, nicht in Niveau, Dauer oder Wert. Ein Bachelor of Science wird vergeben, wenn mathematische, naturwissenschaftliche und empirisch-methodische Anteile das Programm prägen. Ein Bachelor of Arts steht für sprach-, kultur-, sozial- oder wirtschaftswissenschaftliche Schwerpunkte. Beide umfassen mindestens 180 ECTS-Punkte, beide berechtigen zum Masterstudium. Eine Rangfolge gibt es nicht.
Geregelt ist das in der Musterrechtsverordnung zum Studienakkreditierungsstaatsvertrag, zuletzt beschlossen von der Kultusministerkonferenz am 21. November 2024. § 6 Absatz 2 nennt sieben zulässige Bachelorgrade: B.A., B.Sc., B.Eng., LL.B., B.F.A., B.Mus. und B.Ed. Absatz 1 stellt klar, dass je Studiengang „jeweils nur ein Grad“ verliehen wird – Doppelabschlüsse mit Partnerhochschulen ausgenommen.
Für Programme ohne eindeutige Zuordnung gilt eine eigene Regel: Bei interdisziplinären und Kombinationsstudiengängen richtet sich die Abschlussbezeichnung „nach demjenigen Fachgebiet, dessen Bedeutung im Studiengang überwiegt“. Hier entsteht der Spielraum. Wirtschaftspsychologie ist Wirtschaft und Psychologie, Wirtschaftsinformatik ist Wirtschaft und Informatik. Welches Fachgebiet überwiegt, entscheidet die Hochschule beim Curriculum – und zwei Hochschulen antworten unterschiedlich.
26 Fächer an privaten Hochschulen tragen beide Grade
Sortiert man alle deutschsprachigen Bachelorstudiengänge privater Hochschulen nach Fach und Abschlussgrad, stehen in 26 Fächern beide Grade nebeneinander. Die zehn größten davon:
| Fach | B.A. | B.Sc. | B.Eng. | Bachelor gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Betriebswirtschaft | 58 | 20 | – | 78 |
| Gesundheitsmanagement | 32 | 14 | – | 46 |
| Psychologie | 4 | 39 | – | 43 |
| Informatik | 1 | 35 | 5 | 41 |
| Sport | 36 | 3 | – | 39 |
| Wirtschaftsingenieurwesen | 2 | 8 | 24 | 34 |
| International Management | 25 | 8 | – | 33 |
| Wirtschaftsinformatik | 2 | 31 | – | 33 |
| Marketing | 31 | 2 | – | 33 |
| Wirtschaftspsychologie | 6 | 24 | – | 30 |
Studiengangsbestand, deutschsprachige Programme, Stand 14.09.2026.
Lies die Tabelle als Häufigkeitsverteilung, nicht als Empfehlung. In der Psychologie dominiert der B.Sc., weil Statistik, Diagnostik und empirische Methoden den Kern des Fachs bilden. Im Marketing ist es umgekehrt. In der Betriebswirtschaft steht es 58 zu 20 – und beide Gruppen unterrichten weitgehend dieselben Grundlagen.
Besonders deutlich wird das bei identischen Bezeichnungen. 33 Programme heißen exakt „Betriebswirtschaftslehre“, 26 davon schließen mit B.A. ab, sieben mit B.Sc. Bei „Wirtschaftsinformatik“ sind es 28 Programme, 26-mal B.Sc. und zweimal B.A. Gleicher Titel, gleiche 180 ECTS, anderer Buchstabe.
Zwei Fälle, in denen der Grad nichts verrät
AKAD University: gleicher Preis, gleiche ECTS, zwei Grade
Die AKAD University bietet Betriebswirtschaftslehre als Bachelor of Arts und Wirtschaftspsychologie als Bachelor of Science an. Beide Fernstudiengänge umfassen 180 ECTS, laufen in denselben Zeitmodellen über 36, 48 oder 72 Monate und kosten laut Anbieterseite ab 203 Euro im Monat im längsten Modell. Nur der Methodenanteil im Curriculum unterscheidet sich – und der entscheidet über den Buchstaben.
Wirtschaftspsychologie: dasselbe Fach, verschiedene Anbieter, verschiedene Grade
Die IU Internationale Hochschule führt ihren Fernstudiengang Wirtschaftspsychologie als Bachelor of Science mit 180 ECTS über sechs Semester, ab 259 Euro monatlich. Die SRH Fernhochschule – The Mobile University vergibt für ihr Programm den Bachelor of Arts – bei identischen 180 ECTS, identischen sechs Semestern und 235 Euro monatlich.
Wer den Grad als Qualitätssignal liest, zieht daraus die falsche Schlussfolgerung: Hier trägt das günstigere Programm den vermeintlich „weicheren“ Grad, das teurere den vermeintlich „härteren“. Tatsächlich sagt der Buchstabe nur, wie die jeweilige Hochschule die Gewichtung zwischen Wirtschaft und Psychologie im Curriculum angelegt hat. Regelstudienzeit, Prüfungsform, Präsenzpflicht und Gesamtkosten unterscheiden sich zwischen Anbietern deutlich stärker als die Abschlussbezeichnung.

Architektur: drei Grade – und keiner sagt etwas über den Beruf
Die häufigste Suchanfrage zum Thema kommt aus der Architektur. Der Bestand antwortet dreifach: An privaten Hochschulen führen Architekturstudiengänge zum Bachelor of Arts, zum Bachelor of Engineering und seit 2026 auch zum Bachelor of Science. Sieben B.A. stehen einem B.Eng. und einem B.Sc. gegenüber. Die Grad-Frage lässt sich hier also stellen – nur beantwortet sie nicht, was Studieninteressierte eigentlich wissen wollen.
Denn über den Berufszugang entscheidet die Studienstruktur. Für die Eintragung verlangt die Bayerische Architektenkammer „eine Regelstudienzeit von mindestens acht Semestern in Vollzeit“ mit „mindestens 240 Punkte“ nach ECTS, dazu eine berufliche Tätigkeit von „mindestens zwei Jahren“. Die Abschlussbezeichnung taucht dort nicht auf. Drei Studiengänge, drei Grade, drei verschiedene Konsequenzen:
- Der duale Bachelor Architektur der IU schließt nach acht Semestern mit dem Bachelor of Arts und 180 ECTS ab. Die Bayerische Architektenkammer weist ausdrücklich darauf hin, dass „für die Kammereintragung allerdings mind. 240 ECTS vorzuweisen“ sind und deshalb „noch ein Master-Studium aufzusatteln“ wäre.
- Die German International University in Berlin vergibt für ihr englischsprachiges Architekturprogramm den Bachelor of Science – nach sieben Semestern mit 210 ECTS. Auch damit fehlen zur Kammerschwelle 30 Punkte; die Hochschule bietet dafür einen konsekutiven Master mit 90 ECTS an.
- Der duale Bachelor Architektur der hochschule 21 in Buxtehude schließt nach acht Semestern mit dem Bachelor of Engineering und „mind. 240 CP“ ab und wird von der Hochschule als kammerfähig geführt. Die Studiengebühr liegt bei 675 Euro monatlich zuzüglich 500 Euro Immatrikulationsgebühr.
Der einzige Bachelor of Science in dieser Reihe liegt damit näher am Bachelor of Arts als am Bachelor of Engineering – obwohl B.Sc. und B.Eng. beide als die „technischen“ Grade gelten. Wer nach dem Buchstaben sortiert, sortiert nach einem Merkmal, das in den Kammervorgaben nicht vorkommt. Maßgeblich sind Regelstudienzeit und ECTS-Zahl. Alle Programme mit Kosten, Formaten und Kammer-Einordnung stehen auf der Vergleichsseite Architektur an privaten Hochschulen.
| Studiengang | Hochschule | Studienort | Studiendauer | Kosten | |
|---|---|---|---|---|---|
| Architecture, Bachelor of Science Vollzeitstudium | German International University | Berlin | 7 Semester | ||
| Architecture, Bachelor of Arts Vollzeitstudium | Whitecliffe University of Applied Sciences | Berlin | 8 Semester | ab 745 € monatlich | |
| Architektur, Bachelor of Arts Duales Studium | IU Internationale Hochschule | Berlin, Hamburg, München, Stuttgart | 8 Semester | ||
| Architektur, Bachelor of Arts Vollzeitstudium | Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft | Alfter | 6 Semester | ab 626 € monatlich | |
| Architektur, Bachelor of Arts Vollzeitstudium | SRH University | Hamburg, Heidelberg | 7 Semester | ab 690 € monatlich | |
| Architektur, Bachelor of Engineering Duales Studium | hochschule 21 | Buxtehude | 8 Semester |
Wann der Unterschied doch zählt
Es gibt Situationen, in denen die Abschlussbezeichnung zählt – fast immer als Indiz für den Inhalt, nicht als eigenes Kriterium:
- Forschungsnahe Master. Viele M.Sc.-Programme verlangen eine Mindestzahl an ECTS in Statistik oder Methodenlehre. Ein B.Sc. bringt sie häufiger mit, garantiert sind sie damit nicht. Maßgeblich ist die Zulassungsordnung des Masters.
- Berufsrechtlich regulierte Wege. Für die Approbation in der Psychotherapie zählt nicht B.A. oder B.Sc., sondern ob der Bachelor die Vorgaben nach PsychThG und PsychThApprO erfüllt. Ein Studiengang kann B.Sc. heißen und trotzdem nicht approbationskonform sein.
- Kammerberufe. In der Architektur zählen Regelstudienzeit und ECTS. Die Kammer prüft die Studienstruktur, nicht die Bezeichnung.
Vier Prüfschritte, die mehr aussagen als der Grad
- ECTS und Regelstudienzeit. 180, 210 oder 240 Punkte? Sechs, sieben oder acht Semester? Das entscheidet über Masterzugang, Kammerzugang und darüber, ob du später Punkte nachholen musst.
- Modulhandbuch statt Studiengangsname. Wie viele ECTS entfallen auf Statistik, Methodenlehre und empirisches Arbeiten? Diese Zahl sagt dir, was der Grad nur andeutet – und sie steht im frei verfügbaren Modulhandbuch.
- Zulassungsordnung deines Wunsch-Masters. Wenn du weißt, wohin du willst: Lies die Zugangsvoraussetzungen des Masters, bevor du den Bachelor wählst. Das ist der direkteste Weg, die Grad-Frage zu beantworten.
- Gesamtkosten statt Monatsrate. Raten über unterschiedliche Laufzeiten sind nicht vergleichbar: 203 Euro über 72 Monate kosten mehr als 375 Euro über 36 Monate.
Für wen B.A. passt, für wen B.Sc. – und wann die Frage egal ist
Ein Bachelor of Science passt besser, wenn du einen forschungsnahen Master anstrebst, in Diagnostik, Datenanalyse oder Methodenentwicklung willst oder wenn dein Zielberuf berufsrechtlich an Methodenkompetenz gebunden ist. Als Signal für den Methodenanteil im Curriculum ist der Grad brauchbar.
Ein Bachelor of Arts passt besser, wenn dein Fach gestalterische, kommunikative, wirtschaftliche oder pädagogische Schwerpunkte hat, wenn du in die Anwendung willst statt in die Forschung – oder wenn das stärkere Programm an deiner Wunschhochschule nun einmal B.A. heißt. Das ist der häufigere Fall: 58 der 78 BWL-Bachelor sind Bachelor of Arts.
Nicht entscheidend ist die Frage, wenn dein Fach nur einen Grad kennt – das gilt für die meisten der rund 130 Fächer im Bestand. Und sie führt aktiv in die Irre, sobald du sie als Qualitätsmerkmal liest oder sobald ein Berufszugang daran hängt: In der Architektur stehen alle drei Bachelorgrade nebeneinander, und keiner von ihnen kommt in den Anforderungen der Architektenkammern vor. Zwei akkreditierte Studiengänge mit je 180 ECTS sind formal gleichwertig. Was sie unterscheidet, steht im Modulhandbuch.
Programme, Kosten und Zulassungswege findest du auf den Vergleichsseiten zu Betriebswirtschaft, Wirtschaftspsychologie und Architektur. Ein Praxisfall aus der Studienberatung zeigt, wie das konkret aussieht.
Häufige Fragen zu Bachelor of Arts und Bachelor of Science
Nein. Beide Grade setzen mindestens 180 ECTS voraus, beide berechtigen zum Masterstudium, beide werden im gleichen Verfahren akkreditiert. Die Musterrechtsverordnung kennt keine Rangfolge zwischen den Bachelorgraden. Unterschiede entstehen durch Studiendauer, ECTS-Zahl und Curriculum – nicht durch die Bezeichnung.
Beide Grade kommen vor. An privaten Hochschulen überwiegt beim Architektur-Bachelor der Bachelor of Arts, daneben gibt es einen Bachelor of Engineering an der hochschule 21 in Buxtehude und seit 2026 einen Bachelor of Science an der German International University in Berlin. Für den Berufszugang ist die Bezeichnung aber nicht entscheidend, sondern die Studienstruktur: Die Bayerische Architektenkammer verlangt mindestens acht Semester Regelstudienzeit in Vollzeit und mindestens 240 ECTS. Diese Schwelle erreicht im Bachelor bislang nur der Bachelor of Engineering.
Grundsätzlich ja, der Wechsel zwischen den Graden ist nicht gesperrt. Maßgeblich ist die Zulassungsordnung des jeweiligen Masters: Viele M.Sc.-Programme verlangen eine Mindestzahl an ECTS in Statistik, Methodenlehre oder Mathematik. Fehlen dir diese Punkte, verlangen manche Hochschulen Auflagen oder Pre-Master-Module.
Weil die Abschlussbezeichnung der inhaltlichen Ausrichtung folgt und bei interdisziplinären Studiengängen „nach demjenigen Fachgebiet“ vergeben wird, „dessen Bedeutung im Studiengang überwiegt“. Bei Wirtschaftspsychologie oder Wirtschaftsinformatik ist diese Gewichtung eine Konzeptionsentscheidung der Hochschule. 26 Fächer tragen deshalb beide Grade.
Nein. Fachliche Zusätze zu den Abschlussbezeichnungen sind nach § 6 der Musterrechtsverordnung unzulässig, ebenso gemischtsprachige Bezeichnungen und der Zusatz „honours“. Auf der Urkunde steht der Grad, das Fach steht im Zeugnis und im Diploma Supplement.
Nicht der Grad, sondern der Inhalt. Für den Weg zur Approbation zählt, ob dein Psychologie-Bachelor die Vorgaben nach PsychThG und PsychThApprO erfüllt, also die geforderten klinischen und forschungsmethodischen Module enthält. Ein Studiengang kann B.Sc. heißen und diese Anforderungen trotzdem nicht abdecken.

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