- Berufszulassung und Bachelorgrad in einem Durchgang: Die dualen Studiengänge Hebamme und Pflege enden mit dem akademischen Abschluss und der staatlichen Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung.
- Studiengebühren meist vom Praxispartner: Für dual Studierende übernehmen die Mitgliedshäuser des Trägervereins seit dem Wintersemester 2023 die monatlichen Gebühren, dazu kommt eine Ausbildungsvergütung aus der Praxiseinrichtung.
- Drei Lernorte statt zwei: Theorie an der Hochschule, simulationsbasierte Lehre in den Skills Labs, Berufspraxis bei einer Kooperationseinrichtung.
- Zugang ohne Numerus clausus: Entschieden wird über ein Aufnahmegespräch und den Vertrag mit einer Praxiseinrichtung, nicht über die Abiturnote.
- Erweiterte Heilkunde im Curriculum: Das Pflegestudium enthält Module zu heilkundlichen Aufgaben nach § 37 PflBG, die eine klassische Pflegeausbildung nicht vermittelt.
- Studium auch ohne Abitur: Der berufsintegrierende Bachelor Pädagogik für die Berufspraxis steht beruflich qualifizierten Gesundheitsfachpersonen offen.
Was zeichnet die Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde aus?
Die HGE ist eine private Fachhochschule in freigemeinnütziger Trägerschaft der Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg e. V. Sie nahm den Studienbetrieb zum Wintersemester 2023/24 auf und ist vom Land Brandenburg als Fachhochschule anerkannt, die Anerkennung ist zunächst bis zum 31. Oktober 2027 befristet. Das Studienangebot ist vollständig auf Gesundheitsfachberufe zugeschnitten, einen Fachbereich außerhalb dieses Feldes gibt es nicht.
Der Träger betreibt seit über drei Jahrzehnten Bildungsangebote im Gesundheitswesen. Die Hochschulgründung war der Schritt von der fachschulischen in die hochschulische Ausbildung, wie sie das Pflegeberufegesetz und das Hebammengesetz seit 2020 vorsehen. Damit erklärt sich auch die Struktur: Die HGE ist keine Hochschule, die ein Gesundheitsfach neben anderen führt, sondern eine Einrichtung, deren gesamtes Profil an der Berufszulassung hängt.
Inhaltlich setzt die Hochschule auf reflektierte Praktikerinnen und Praktiker in der direkten Versorgung. Studierende arbeiten ab dem ersten Semester in Forschungsprojekten mit, Schwerpunkte liegen auf kommunaler Gesundheitsversorgung, digitaler Transformation und Nachhaltigkeit. Über Erasmus+ bestehen internationale Kooperationen.
Was unterscheidet die HGE von anderen privaten Hochschulen?
Drei Unterschiede fallen im direkten Vergleich auf: Die HGE führt kein grundständiges Angebot ohne Berufszulassung, sie finanziert das duale Studium über Praxispartner statt über die Studierenden, und sie betreibt einen einzigen Standort statt eines Studienzentrumsnetzes.
Gegenüber der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane, der zweiten privaten Hochschule im Nordosten des Landes, ist die Abgrenzung klar. Die MHB ist eine Universität mit Promotionsrecht und bildet in Medizin, Zahnmedizin und Psychologie aus. Die HGE besetzt die Ebene darunter, also die Berufe, die nach Pflegeberufegesetz und Hebammengesetz eine staatliche Erlaubnis brauchen. Beide Häuser arbeiten über die Immanuel Kliniken in Bernau und Rüdersdorf mit denselben Praxiseinrichtungen.
Anders als große Anbieter mit Online-Formaten verlangt die HGE Präsenz. Wer Pflegewissenschaften im Fernstudium sucht, findet an der HGE kein passendes Modell. Der berufsintegrierende Studiengang Pädagogik für die Berufspraxis im Gesundheitswesen kommt dem am nächsten, bleibt aber an bis zu vier Präsenztage im Monat gebunden.
Ein weiterer Punkt betrifft die Anschlussfähigkeit. Die HGE vergibt bislang keine eigenen Masterabschlüsse. Der Pflegestudiengang schließt mit 240 CP ab und erfüllt damit die übliche Zugangsvoraussetzung für ein Masterstudium an anderen Hochschulen, Hebamme und Pädagogik enden bei 210 CP.
Was kostet ein Studium an der HGE?
Die Studiengebühren liegen bei 490 € monatlich in den dualen Studiengängen und bei 390 € monatlich im berufsintegrierenden Bachelor. Dazu kommen einmalig 240 € Immatrikulationsgebühr und 490 € Prüfungsgebühr sowie ein Semesterbeitrag von 70 € für das Studentenwerk.
Entscheidend ist allerdings, wer diese Beträge trägt. Für Studierende der dualen Studiengänge übernehmen die Mitgliedshäuser des Trägervereins die Studiengebühren, sofern die Praxiseinrichtung dem Verein angehört. Gleichzeitig zahlt die Praxiseinrichtung eine Ausbildungsvergütung nach dem jeweils geltenden Tarif. Rechnerisch verschiebt das die Kostenfrage vollständig: Statt eines vierstelligen Jahresbetrags steht ein monatliches Einkommen auf der Habenseite.
Wer sich bei einer Einrichtung außerhalb des Vereins bewirbt, sollte die Gebührenübernahme vor Vertragsabschluss schriftlich klären. Die Hochschule nennt die Übernahme als Regelfall, nicht als Zusicherung für jede Kooperation.
Im berufsintegrierenden Studiengang zahlen die Studierenden selbst. Hier greift dafür die Anrechnung von bis zu 90 CP aus der abgeschlossenen Berufsausbildung, womit ein Drittel des Studienumfangs entfällt. Als Werbungskosten sind die Gebühren bei fortbestehender Erwerbstätigkeit in voller Höhe absetzbar.
| Studiengang | Hochschule | Studiendauer | Kosten | |
|---|---|---|---|---|
| Pädagogik für die Berufspraxis im Gesundheitswesen, Bachelor of Arts Berufsintegrierendes Studium | Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde | 4 Semester | ab 10090 € insgesamt ab 390 € monatlich | |
| Pflege, Bachelor of Science Duales Studium | Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde | 8 Semester | ab 21310 € insgesamt ab 490 € monatlich | |
| Hebamme, Bachelor of Science Duales Studium | Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde | 7 Semester | ab 21310 € insgesamt ab 490 € monatlich |
Wo finden Theorie und Praxis an der HGE statt?
Die Hochschule betreibt einen einzigen Standort in Eberswalde, rund 50 Kilometer nordöstlich von Berlin und mit dem Regionalexpress in gut 40 Minuten vom Hauptbahnhof erreichbar. Dort liegen Lehrräume, Bibliothek und die Skills Labs, in denen Versorgungssituationen unter realen Bedingungen simuliert werden.
Die praktischen Studienphasen verteilen sich dagegen über ein Netz von Kooperationseinrichtungen in Brandenburg und Berlin. Dazu zählen unter anderem das GLG Werner Forßmann Klinikum Eberswalde, das Asklepios Klinikum Uckermark, die Immanuel Klinik Rüdersdorf und das Immanuel Klinikum Bernau als Universitätskliniken der MHB, das BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin, die Sana Kliniken Lichtenberg und Sommerfeld, das Jüdische Krankenhaus Berlin sowie ambulante Dienste und Pflegeeinrichtungen.
Für die Studienplanung heißt das: Der Theorieort steht fest, der Praxisort wird mit der Bewerbung gewählt und bestimmt Fahrweg und Dienstplanrhythmus über die gesamte Studienzeit. Ein Überblick über weitere Hochschulen in der Region findet sich in der Übersicht private Hochschulen in Brandenburg.
Wie läuft das Studium an der HGE ab?
Theoriephasen an der Hochschule, Simulationseinheiten in den Skills Labs und Praxiseinsätze in der Kooperationseinrichtung wechseln sich blockweise ab. In den dualen Studiengängen liegen die Vorlesungszeiten zwischen Oktober und Januar sowie zwischen April und Juni, dazwischen stehen die praktischen Studienphasen. Geprüft wird nicht nur schriftlich, sondern auch am Fall und an der Simulation.
Aufnahme und Bewerbungsverfahren
Die dualen Studiengänge sind NC-frei. Verlangt werden die Hochschulzugangsberechtigung, ein erfolgreiches Aufnahmegespräch an der HGE und die verbindliche Zusage einer verantwortlichen Praxiseinrichtung. Die Bewerbung läuft deshalb zweigleisig, bei der Einrichtung und bei der Hochschule, und beide Zusagen bedingen einander. Im berufsintegrierenden Bachelor ersetzt die abgeschlossene Berufsausbildung im Gesundheitsfachberuf die Hochschulzugangsberechtigung, ein Abitur ist nicht erforderlich.
Studienphase und Lehrformat
Der Pflegestudiengang umfasst 8 Semester und 240 CP, der Hebammenstudiengang 7 Semester und 210 CP, beide in Vollzeit. Die Praxismodule sind mit 360 bis 420 Stunden Praxisbegleitung je Einsatz hinterlegt, dazu kommen 36 bis 42 Stunden strukturierte Praxisanleitung. Der berufsintegrierende Bachelor läuft über 7 Semester mit bis zu vier Präsenztagen pro Monat, hybride Teilnahme ist möglich, vorausgesetzt wird eine Erwerbstätigkeit von mindestens 50 Prozent.
Prüfungsformate
Neben Klausuren und Hausarbeiten prüft die HGE mit OSCE-Stationen, Performanzprüfungen, reflexiven Fallgesprächen und Portfolios. In den Praxismodulen treten unbenotete Fallarbeiten und bewertete Kompetenzüberprüfungsbögen hinzu. Wer Prüfungsangst vor mündlichen und praktischen Formaten hat, sollte diesen Anteil im Vorfeld realistisch einschätzen.
Bis wann muss ich mich an der HGE bewerben?
Feste Bewerbungsschlüsse veröffentlicht die HGE nicht, maßgeblich ist der Studienbeginn. Die dualen Studiengänge starten zum Wintersemester, der berufsintegrierende Bachelor Pädagogik für die Berufspraxis zum 1. April 2027. Da die Zusage der Praxiseinrichtung Voraussetzung für die Immatrikulation ist, bestimmt deren Auswahlverfahren den realistischen Zeitplan.
Praxiseinrichtungen besetzen ihre Studienplätze in der Regel ein halbes bis ein ganzes Jahr vor Studienbeginn. Für einen Start im Wintersemester bedeutet das eine Bewerbung im Herbst oder Winter des Vorjahres. Wer sich erst im Sommer bewirbt, konkurriert um Restplätze.
Vor der Bewerbung bietet die Hochschule Schnuppertage mit Teilnahme an Vorlesungen und Simulationseinheiten, Informationstage sowie Gespräche mit den Studiengangsleitungen an. Ein Praktikum in der Wunscheinrichtung ist ebenfalls möglich und verbessert die Chancen auf den Praxisvertrag.
Für wen lohnt sich die HGE und für wen nicht?
Die Hochschule passt zu Menschen, die den Gesundheitsfachberuf bereits als Ziel gesetzt haben und ihn auf akademischem Niveau ausüben wollen. Sie passt nicht zu denen, die sich fachlich noch orientieren oder ein ortsunabhängiges Studium suchen.
Die HGE ist die richtige Wahl für dich, wenn …
- … du Hebamme oder Pflegefachperson werden willst und den Bachelorgrad gleich mitnehmen möchtest, statt ihn später nachzuholen
- … du im Studium ein eigenes Einkommen brauchst und die Studiengebühren nicht selbst tragen kannst
- … du bereits in einem Gesundheitsfachberuf arbeitest und dich ohne Abitur akademisch weiterqualifizieren willst
- … du im Raum Berlin-Brandenburg wohnst oder bereit bist, dorthin zu ziehen
- … dir erweiterte heilkundliche Kompetenzen wichtiger sind als ein breites Fächerangebot
Weniger geeignet ist die Hochschule, wenn …
- … du ein Fernstudium ohne feste Präsenztage suchst, denn beide Studienformen verlangen Anwesenheit in Eberswalde
- … du dir einen Fachwechsel offenhalten willst, denn das Angebot umfasst nur wenige Studiengänge in einem Feld
- … du direkt im Anschluss einen Master an derselben Hochschule planst, denn eigene Masterprogramme gibt es bislang nicht
- … du Planungssicherheit über 2027 hinaus brauchst, denn die staatliche Anerkennung der Hochschule ist bis Oktober 2027 befristet und muss verlängert werden
- … du kein Interesse an praktischen Prüfungsformaten wie OSCE und Simulation hast
Häufige Fragen zur Hochschule für Gesundheitsfachberufe Eberswalde
Ja. Die HGE ist vom Land Brandenburg als Fachhochschule staatlich anerkannt und darf die Grade Bachelor of Science und Bachelor of Arts verleihen. Die Anerkennung ist bis zum 31. Oktober 2027 befristet, eine Verlängerung ist der Regelfall und an ein Akkreditierungsverfahren gebunden. Bereits erworbene Abschlüsse bleiben davon unberührt.
Ja. Die Praxiseinrichtung schließt einen Vertrag über den praktischen Teil der hochschulischen Ausbildung und zahlt dafür eine Ausbildungsvergütung. Die Höhe richtet sich nach dem Tarif der jeweiligen Einrichtung und entspricht in der Regel der Vergütung in der beruflichen Ausbildung.
Im berufsintegrierenden Bachelor Pädagogik für die Berufspraxis im Gesundheitswesen ja, dort öffnet die abgeschlossene Berufsausbildung in einem Gesundheitsfachberuf den Zugang. Für die dualen Studiengänge Hebamme und Pflege ist eine Hochschulzugangsberechtigung erforderlich, beruflich Qualifizierte sollten den Zugang über die Brandenburger Regelungen im Einzelfall prüfen lassen.
Primärqualifizierend heißt, dass das Studium die Berufsausbildung ersetzt und nicht auf ihr aufbaut. Wer an der HGE Pflege oder Hebamme studiert, braucht vorher keine Ausbildung und erwirbt mit dem Abschluss zugleich die staatliche Erlaubnis zur Führung der Berufsbezeichnung. Der Gegenbegriff ist berufsintegrierend, also ein Studium parallel zur bereits ausgeübten Tätigkeit.
Nein. Als Fachhochschule verleiht die HGE keine Doktorgrade und bietet derzeit auch keine eigenen Masterstudiengänge an. Der Pflegestudiengang schließt mit 240 CP ab und erfüllt damit die übliche Zugangsvoraussetzung für ein Masterstudium an einer anderen Hochschule.
Das Angebot ist bewusst schmal und umfasst duale Studiengänge mit staatlicher Berufszulassung sowie berufsintegrierende Programme für bereits ausgebildete Gesundheitsfachpersonen. Alle Studiengänge liegen im Feld der Gesundheitsfachberufe, Fachbereiche außerhalb dieses Felds gibt es nicht.
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